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Lieber Chef, sehr geehrter Bundeskanzler Olaf Scholz,

vergangene Woche fand ein paar Meter von ihrem Büro der nationale Bildungsgipfel statt.

Kollegin Bettina Stark-Watzinger empfing 2 von 16 LandesbildungsministerInnen in Berlin – und zahlreiche weitere Bildungsexperten.


Nur 2 von 16?!

Ja, tatsächlich waren nur 2 der hauptverantwortlichen

Bildungs-Bosse aus der Politik erschienen.


Als Unternehmer, möchte ich mir an dieser Stelle erlauben, die verantwortliche Führungskraft des Unternehmens „Bundesregierung“ dazu aufzurufen, die Mitstreiter in der Politik zu etwas mehr Eigenverantwortung und weniger „Kind-Ich“ zu mahnen.


Wenn ein Unternehmer in der freien Wirtschaft den Krisengipfel für eines der zukunftsrelevanten Wertschöpfungsfelder einberufen würde, dann könnte er das Nicht-Erscheinen und damit eine offensichtliche Ignoranz seiner "Business Unit Heads" zu Recht als Missmanagement, und als unangemessene Eitelkeit, ja als Affront deuten.


Der Vergleich hinkt? Stimmt!

Denn die Verantwortung der Damen und Herren aus den Landesministerien für Bildung ist eine weitaus Gewichtigere als in jedem noch so großen internationalen Börsenkonzern.


Hier geht es nicht nur um die zeitweise Krise eines Unternehmens oder einer Aktie. Sondern um die bereits seit Jahrzehnten herangewachsene Misere im Management des wohl wichtigsten Wertschöpfungstreibers unseres Wirtschafts- und Gesellschaftstandortes.

Es geht um die Ausbildung unserer zukünftigen Workforce. Also wirtschaftlich gesehen, um die Qualität der zukünftigen Belegschaft aller Unternehmen in Deutschland.

Diese Verantwortung scheint den KollegInnen aus den Landesministerien aber nicht bewusst zu sein.


Dabei sind die Krisen-Themen des deutschen Bildungssystems bereits seit mehreren Jahren und Legislaturperioden bekannt: Lehrermangel, fehlende, bzw. unrelevante Kompetenzen am Ende der Schulzeit, überfüllte Lehrpläne gefüllt mit Themen, die niemand jemals wieder gebrauchen kann, ein Bewertungssystem mit Noten, die systematisch Angst und nicht Mut schaffen, marode Gebäude, in denen der Digitalisierungsstandard inzwischen dem eines Entwicklungslandes entspricht.

Die Themen sind auch mehrfach wissenschaftlich belegt worden – es besteht also aus meiner Sicht keine Notwendigkeit mehr für Debatten.


Das Gute ist ja: es gibt unzählige erfolgreiche Beispiele aus der Praxis und auch aus der Forschung, die schon jetzt beweisen, dass es sich lohnt und, dass für die Politik nicht einmal so viel Mut an den Mann oder die Frau gebracht werden müsste, um bereits etablierte Best-Practices zur Skalierung „freizugeben“.


Soweit zu meiner persönlichen Sicht der Dinge. Ich bin kein Bildungsexperte oder -Wissenschaftler, sondern beschäftige mich aus eigener persönlicher Leidenschaft und Eigeninteresse mit dem Thema Bildungstransformation.

Die Fragen stelle ich aus der Perspektive des Unternehmers in der Kreativwirtschaft, einer Branche, die darauf angewiesen ist, in Zukunft Arbeitskräfte und Talente zu finden, die Ideen und Mut für die Weiterentwicklung des Standorts Deutschland und auch zur Lösung der wirklich wichtigen Probleme unseres Planeten beitragen können.


Meine 6 Inspirationsfragen:


1. Der Lehrermangel.


WARUM REPOSITIONIEREN WIR NICHT DEN BERUF DES LEHRERS UND KÜMMERN UNS DARUM IHN IN DEN KÖPFEN DER BEVÖLKERUNG „UMZUPARKEN“?


Schauen wir einmal auf das Best-Practice Finnland. Dort ist der Beruf des Lehrers unmittelbar an die positive und hohe Verantwortung mit der Zukunft des Landes verbunden. Ein Lehrer ist also gewissermaßen der Zukunfts-Coach für die nächste Generation und damit auch für die Zukunft des wirtschaftlichen Erfolges des Landes.


Eine "Kampagne" kann vielleicht sogar dazu führen, dass sich ein Lehrer nicht mehr auf jeder Party zu seinem „lockeren Beruf“ und den vielen Ferien überall rechtfertigen muss, sondern als feste Säule der Wertschöpfung unseres Landes endlich respektiert wird.

2. Die Schüler-Partizipation


WARUM RUFEN WIR NICHT EINEN EXPERTEN-BEIRAT AUS SCHÜLERINNEN UND STUDENTINNEN ZUSAMMEN, DIE WIR ALS ECHTE EXPERTINNEN FÜR SCHULISCHE BILDUNG HERANZIEHEN, UM VOM PRIMÄR-KUNDEN DER SCHULE ZU LERNEN?


Wer würde eine Produktweiterentwicklung eines Konsumentenproduktes oder eine Unternehmenstransformation in der freien Wirtschaft umsetzen, bevor er nicht wirklich mit der Kernzielgruppe in den Dialog gegangen ist? Die Politik und auch die Wirtschaft weiß um die Effektivität und auch den positiven Wissenstransfer von Beiräten mit Weisheit und Expertise. Ich plädiere daher für einen engen Einbezug der Generation, um die es wirklich geht. Denn wissen Bildungspolitiker oder Wissenschaftler wirklich, was gewünscht ist und was dem Lernenden auf dem Herzen liegt?


3. Das Leadership-Team


WARUM GEBEN WIR DEN SCHULLEITERN NICHT DIE FREIHEIT,

DIE EINER MODERNEN FÜHRUNGSKRAFT ZUSTEHT?


Die Direktionen der deutschen Schulen haben aus meiner Außensicht niemals echte Führungsverantwortung übertragen bekommen. Der Job ist vielerorts geprägt von zu viel Verwaltungsarbeit und wenn dann Führungstalente an den Tag gebracht werden können, sind vor allem die Schulleiter die erfolgreichsten, die die meisten Regeln brechen.

Warum ist das so?


4. Die Future Skills – und die Kreativität


WARUM TUN WIR NICHT ALLES DAFÜR; EINE SCHULE AN DEN START ZU BRINGEN, DIE AUF IDEEN BRINGT?


Das Thema habe ich in meinem Buch „Wenn Schule auf Ideen bringt“ in epischer Breite gemeinsam mit über 100 Kreativen und Bildungsvordenkern aus 35 Ländern zugrunde gelegt. Daher nur die eine Frage dazu:


Denn Kreativität ist voraussichtlich schon bald einer der wenigen wirklich abgrenzenden Wertschöpfungsfaktoren des Menschen und vor allem der hiesigen Future-Workforce in Deutschland - im Vergleich zu den derzeit wachsenden Zukunftstechnologien. Eine Schule, die mit dem antiquierten Bewertungssystem mit Noten die Kreativität unterdrückt, führt uns leider schon zu lange in eine „Erziehung zum Konformisten“, der keinen Mut mitbringen wird, die großen Problemen der Zukunft lösen zu wollen.


5. Offen, für mehr Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schule


WARUM ÖFFNEN WIR DIE SCHULE NICHT FÜR MEHR KOLLABORATION MIT AUSSERSCHULISCHEN ORGANISATIONEN UND FÖRDERN DIESE KOOPERATIONEN AUCH STAATLICH?


"Als Unternehmer hat man wenig Erlaubnis mit der lokalen Schule zu kollaborieren." Das habe ich schon öfter gehört, bei engagierten Eltern und Unternehmern. „Denn die Wirtschaft sei ja nicht unabhängig.“ Das ist sicherlich richtig.

Aber hat Wirtschaft wirklich immer böse Absichten? Ich denke wir sitzen, was die Zukunft angeht, alle im gleichen Boot. Und eines ist sicher: Schule kann von den Methoden der Wirtschaft und auch von den Methoden zahlreicher ausserschulischen Akteuren profitieren. Vor allem im Bereich der Kreativitäts- und Innovationsförderung.


5. EINE INNOVATIONSABTEILUNG MIT "SKALIERUNGSVOLLMACHT"


Eric Schmidt, ehemaliger Google CEO hat sich die Frage gestellt: Wie schaffen wir ein Umfeld, in dem sich jeder Einzelne fortlaufend fragt: Warum sind die Dinge so, wie sie sind, Und ob man das nicht auch anders machen kann? Diese Lernkultur bräuchten wir in unseren Schulen.


WARUM SCHAFFEN WIR NICHT EINE STAATLICHE UNTERNEHMUNG,

DIE DAFÜR ZUSTÄNDIG SEIN DARF, DIE ERFOLGREICHEN BEST-PRACTICES AUS DER BILDUNGSTRANSFORMATION DER HIESIGEN „REGELBRECHER“ OFFIZIELL ZU LEGITIMIEREN UND SKALIERBAR ZU MACHEN?


6. WENN NICHT JETZT, WANN DANN?


Die Fragen entstanden spontan auf meiner Rückreise von den diesjährigen SXSW in Austin und sind inspiriert von den vielen Gesprächen, die ich in den letzten 12 Monaten als unbedeutender „Missionar“ für eine neue Lernkultur führen durfte.


Gespräche, mit unzähligen Schülern, Eltern, Schulleitern und Lehrern, aber vor allem auch Unternehmern, die schon jetzt für eine Schule brennen, die unsere Kinder auf das echte Leben und nicht auf die nächste unrelevante Klausur vorbereiten – eine Schule, die Lernen wieder zu dem macht, was es wirklich ist: ein Privileg, mit Spaß und Freude an dem Neuen.






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